Bruno

Schwieriges gleich vorneweg: Abgabe nur an erfahrene, routinierte Katzenfreunde.

Nur mit Vertrag: Wann immer, und aus welchen Gründen auch immer, eine Trennung von Bruno ansteht, muss er an uns zurückgegeben werden oder, sollte ihn eine andere Person ins Herz geschlossen haben, nur mit unserer Zustimmung weitergegeben werden. Begründung folgt weiter unten.

Nur als Einzel- Katze (Hunde oder andere größere Haustiere (Hase oder so) dürften kein Problem sein). Katzen greift er bisher ausnahmslos an und verletzt sie schwer. Und warum sollte man überhaupt eine andere Katze dieser Quälerei aussetzen und das immer wieder „überprüfen“, ob sich diese unangenehme Eigenschaft vielleicht gelegt hat?

Nur als Haus- oder Wohnungskatze (wir schätzen ihn so ein, dass sich draußen irgendwann einmal doch sein innerer Schalter umlegt, er wieder in den Verstoßenen-Modus zurückfällt und abwandert). Durch den jahrelangen Überlebenskampf in der Wildnis ist Bruno mit fürchterlicher Kraft (gesegnet) gestraft; will heißen, dass Balgen mit ihm- ohne jede Absicht oder Aggression seinerseits- fiese Kratzer und tiefe Bisse mit sich bringen kann (nicht muss). Katzenprofis erkennen die Vorzeichen und brechen wilde Raufi-Orgien rechtzeitig ab. Was keine Raketenwissenschaft ist, erstens bringt man einfach seine Hände aus der Reichweite (Bruno spielt mit Händen und Fingern nur wenn er liegt, außerdem setzt er nicht nach), zweitens ist Bruno sehr klug und hört sofort auf ein klares „Nein!“. Deshalb: Keine Kinder, das Komplett-Paket Bruno ist für den Nachwuchs einfach zu kompliziert.

 

Was wir vermuten, was wir wissen: Bruno liebt Menschen, fühlte sich von Anfang an in unserer Notaufnahme wohl, ging von der ersten Sekunde an zuverlässig aufs Katzenklo. Wir gehen stark davon aus, dass er länger mit Menschen zusammengelebt hat. Vermutlich spielte er grob, sein zweibeiniger Sparringspartner reagierte wohl oft zornig auf Kratzer und haute zurück (Bruno hat ab und zu Momente, da friert er Schmusen oder Spielen schlagartig ein, schaut verängstigt und flüchtet. Den Auslöser dafür haben wir bis heute nicht ansatzweise herausgefunden). Irgendwann hat wahrscheinlich jemand entschieden, Bruno irgendwo auszusetzen.

Wir leben hier in einer ziemlich abgeschiedenen, ländlichen Region. Nach den Aussagen vieler Katzenfreunde der umliegenden Dörfer beobachteten sie Bruno über Jahre hinweg, bei Hitze und Trockenheit, Regen, Schnee, Matsch und Eiseskälte an Straßenrändern, in Wäldern, auf Wiesen, Feldern und Äckern. Draußen in der Wildnis konnten sie sich nicht unter 100m nähern. Letztes Jahr wanderte er in unseren Weiler ein, wo eine Tierfreundin zugelaufene, verlorene Katzen füttert, pflegt, vollversorgt und natürlich sterilisiert. Bruno griff bedauerlicherweise jeden dieser „Patienten“ massiv an und verletzte manchen von ihnen derart, dass der regionale Tierarzt von den Gagen, die wir wegen Bruno bei ihm abgedrückt haben, eine Insel in der Karibik kaufen konnte. Somit war klar, dass wir ihn fangen, zähmen und in beste Hände vermitteln müssen.

Die ganze Prozedur hat nun ein Jahr gedauert, unendlich Geduld, Zeit und Nerven gekostet, von den Kosten wollen wir gar nicht erst reden. Nun ist Bruno kastriert, gechipt, entwurmt, entlaust, entfloht, entmilbt (und von allen anderen Quälgeistern befreit, die einer herrenlosen, streunenden Katze so zusetzen) und geimpft.

Wie schon erwähnt: Bruno hat das Vegetieren eines Streuners sowas von satt. Er macht bisher keinerlei Anstalten, auf wie auch immer geartete Weise hinaus zu wollen, setzt man ihn aufs Fensterbrett, guckt er regelrecht angewidert auf Eis, Schnee und Matsch dort draußen, hüpft wieder runter und rollert sich in seiner Spiel- und Schmuseecke ein.

Nun zu den schönen Seiten dieser Geschichte: Bruno hat viele Eigenschaften eines Hundes; er spielt gerne und lang, wenn man nachhause kommt, rennt er einem entgegen, freut sich unbandig, lockt den Schmuse- Kandidaten an seinen Lieblingsplatz, begrüßt und bestürmt ihn dort mit allen nur denkbaren Liebesbezeugungen, leckt die Hände ab, drückt sich fest an ihn hin, reibt den dicken Kopf entlang an jeder nur erreichbaren Stelle des Körpers.

Dass er manchmal beim Laufen nach oben schaut und unten über ein Hindernis stolpert, verweist die vielgepriesene Körperdisziplin der Katzen ins Reich der Legenden - und sorgt für gar manchen unterdrückten Pruster.

Wenn er geht, steht oder sitzt kann man ihn durchwalken, kneten, massieren, krabbeln, ihm taugt Anfassen überall: Stirn, Schnauze, Ohren, Backen, Hals, Nacken, Schulter, Rücken komplett, Arsch, Schwanz entlang - alles wird mit Trampeln und lautem Schnurren quittiert. Dann wirft er sich auf die Seite... und das ist der Punkt, wo der Katzen- Profi vorausschauend handeln muss: Man kann ihn durchaus weiter durchwurschteln, aber jetzt muss der Einzugsbereich seiner Vorder- und Hinterpfoten frei sein, die krabbelnde Hand muss von hinten Kopf, Nacken, Rücken usw. bearbeiten, wenn er sich dreht zieht, man die eben eingesetzte „Werktätigen- Hand“ zurück und fährt mit der anderen aufs Neue den Rücken rauf und runter.

Wie gesagt, er ist glücklich und immer freundlich gesonnen, selbst wenn er die Hand zu fassen kriegt, muss das noch kein Theater sein, dann zieht er sie an die Schnauze ran und beginnt sie zu putzen, oft nagt er sogar an den Fingern und knabbert weich - ein „Unfall“ kann dann so aussehen:

Hand mit beiden Pfoten gepackt, zur Schnauze hingezogen, dann abgeschleckt, lange, gründlich, dazwischen mal geknabbert, wieder geputzt, genagt dann STANZ!, danach wieder geleckt genagt geputzt und so weiter. Blöderweise ist das STANZ! halt wirklich nix, was man im Leben irgendwie an Erfahrung sammeln muss, aber sowas von überhaupt nicht! Er strotzt halt vor Kraft, der kleine Alligator. Es empfiehlt sich, auf der sicheren Seite zu bleiben und den Punkt zu erkennen, an dem Katzen ihren „Rappel“ zu kriegen pflegen und Raufi fordern.

Händisches Raufi mit Bruno ist ganz großer Mist, dafür nimmt man Stoffbällchen o.ä.

Wenn er ein sicheres Zuhause und gutes Fressen hat, jemanden an seiner Seite, der ihm wohlgesonnen ist, dann genügt das, der muss nicht alles abgreifen, wovon Kater träumen (andere Katzen verprügeln z.B.) wir träumen auch oft vergebens. Daß sich Raufi anbahnt, erkennt der Katzenprofi an angelegten Ohren, die Katze sucht „streng wirkenden“ Blickkontakt oder fixiert kampfeslustig die Hand, die Schwanzspitze zuckt vehement. Das ist der Punkt, wo wir das Knutschen abbrechen, Hände weg, „Nein!“ sagen ... und das kapiert Bruno. Weiter oben wurde schon erwähnt: Sowas kann nur eintreten, wenn er auf der Seite liegt und spielen will.

Ansonsten mag er Schoß (meistens), die ruhig aufgelegte Hand liebt er immer, so kann man auch mit ihm schlafen, er lässt sich die Ohren behandeln, das Fell untersuchen, den Dreck aus den Augenwinkel popeln, Rumtragen mag er nicht wirklich, da stemmt er sich immer krampfig gegen die Brust, er ist verrückt nach Thunfisch (im eigenen Saft) und nach Vollmilch, er gibt- außer lautem Schnurren- eigentlich keinerlei Geräusche von sich.

Ganz selten kommt ein Moment, in dem er (durch was auch immer, wie schon beschrieben, wir haben es nie rausgefunden) angstvoll faucht, knurrt und sich zurückzieht. Ist aber auch lässig, dann reden wir ihm ruhig zu, zählen derweil bis 20, stehen auf, treten an seinen Rückzugsort heran, hocken uns nieder, strecken langsam die Hände nach ihm aus, unterwandern ihn, heben ihn auf und tragen ihn an den Ort zurück, wo wir gerade unser Zusammensein hatten und weiter geht es mit Hutzibock und Co..

Er ist überhaupt nicht nachtragend und Situationen, in denen er verunsichert und seltsam ist, sich zurückzieht, sind erstens extrem selten und zweitens durch Ruhe, Freundlichkeit, Langsamkeit und Steuerung mit einer weichen Stimme sofort in den Griff zu kriegen.

Aufpassen sollte man, wenn man z.B. die Wohnung verlassen muss, dann rennt er manchmal hinter einem her, oft zwischen die Beine und unter die Füße, versucht einen an Hose und Schuhen festzuhalten, damit man nicht weggeht. Je nach persönlichem Härtegrad erzeugt sowas einen trockenen Kloß im Hals (sehr männlich) oder hemmungsloses Fluten der Augen- da wir für beides anfällig sind, verdrängen wir Feiglinge das Problem jedes Mal mit ein paar Brocken Thunfisch.